| 20. April 2005 Landshuter Zeitung |
Im freien Flug des VortragsGerold Huber spielt Klaviermusik von Beethoven Gerold Huber ist ein Pianist von seltener Vielseitigkeit. Er gilt längst als Liedbegleiter oberen Ranges und seine Einspielungen von Schubert- und Schumannliedern zusammen mit Christian Gerhaher hat die Fachpresse in hohen Tönen gerühmt. Kaum zu glauben, dass einer, der in diesen Seelenabgründen zu Hause ist, auch Gershwins rhythmische Raffinessen in ihrer überschäumenden Vitalität heiter und gelöst zum Vergnügen für sich und seine Zuhörer werden lassen kann. Wer aber Pointen so sicher setzt, wird auch bei geistvollen, bei witzigen oder elegischen Chansons einen eleganten Klavierpart geben können. Genau das macht Gerold Huber in der Tat auch. Doch zieht sich durch seine Karriere insbesondere die nicht abreißende Auseinandersetzung mit den großen Meistern des Klaviers. Erstmals auf CD (bei RUSSKI RECORD, aufgenommen im Rittersaal Straubing) legt Gerold Huber jetzt einen Querschnitt seiner Arbeit am Kosmos der Beethoven’schen Klaviemusik vor. Er nimmt dafür nicht die überall präsenten Zentralgestirne, sondern folgt dem tastenden, grübelnden, experimentierenden Beethoven, wo er um seine Lösungen ringt. Mit der Genauigkeit des Philologen verfahrend, stellt Huber dabei zuallererst den Notentext in seiner ursprünglichen Reinheit vor. So zeichnet er auch im dichten Geflecht alle Stimmen klar und durchhörbar. Anschaulichkeit und plastische Gestaltung gibt das der höchst komplexen Struktur der Musik in den 6 Bagatellen op. 126, in denen Beethoven auslotet, was dann in den späten Streichquartetten zur Vollendung gelangen wird. Über alle krassen Gegensätze in den einzelnen Stücken hinweg kann Huber so dem Zyklus seine Einheit in den Widersprüchen geben. In der Phantasie H-Dur op. 77, nicht nur zeitlich dem fünften Klavierkonzert nahe, sind die wie aus einem Füllhorn hingeworfenen musikalischen Gedanken in ihrer Spontaneität ebenso wie in ihrem Spannungsverhältnis zueinander kraftvoll pulsierend ausgeformt. Am Ende steht die Sonate F-Dur op. 10 Nr. 2, deren rhythmische Gestik Huber mit überlegter Heiterkeit auskostet. Alles Schulmäßige, von dem diese Sonate ja nicht ganz frei ist, verweht in dem freien Flug der Vortrags, der das musikalische Potential des frühen Beethoven geistvoll beschwingt zur Wirkung kommen lässt. HERRMANN METZGER |